Freelancing Produktivität

Diskussionsanregung: Wie verfügbar sollte man als Freelancer im Web sein?

Mit einer ständig zur Verfügung stehenden mobilen Internetverbindung und immer populärer werdenden Smartphones und Tablets wird man als Freelancer heutzutage automatisch mit der Frage konfrontiert, wie verfügbar man im Web sein sollte und ab welchem Zeitpunkt man Emails, Blog-Kommentare oder Retweets auch einmal für ein Weilchen Ruhen lassen kann. Ich möchte dich daher gerne nach deiner Meinung und eigenen Erfahrungen im Umgang mit den ständig zur Verfügung stehenden Kommunikationsmöglichkeiten fragen und zu einer kleinen Diskussion zu diesem Thema anregen.

Ständig erreichbar im mobilen Internet

Zugegeben, ich ertappe ich mich selbst viel zu oft dabei, dass ich meine guten Vorstätze nicht streng genug einhalte und auch an Wochenenden z.B. das Bearbeiten von Emails nicht immer sein lassen kann. Gerade wenn man als Freelancer im Web arbeitet, ist man wohl immer schnell dazu verleitet, Blog-Kommentare, Tweets, Facebook-Meldungen oder Emails zu verfolgen und etwas zu oft nach deren Updates zu checken. Schließlich macht die Kommunikation im Web ja auch jede Menge Spaß und außerdem ist es natürlich auch wichtig, informiert zu bleiben und relevante Tweets oder Blog-Artikel der eigenen Branche mit zu verfolgen.

Doch so langsam muss man eventuell ein wenig strenger zu sich werden und sich feste Zeiten für die Beantwortung von Emails, Tweets oder Kommentaren einteilen. Denn spätestens mit den beliebten (und natürlich auch geliebten) Smartphones oder Tablets ist man heute eigentlich immer online und somit auch ständig für Kunden, Kollegen oder Freunde erreichbar. Diese ständige Verfügbarkeit hat meiner Ansicht nach auf jeden Fall jede Menge Vorteile. Doch gerade wenn man nicht nur in der Freizeit Zeit im Web verbringt, sondern auch beruflich mit dem Internet arbeitet, ist es wichtig sich dieser ständigen Erreichbarkeit bewusst zu sein und möglichst geregelt damit umzugehen. Kaufen Sie zum besten Preis odens snus mit Lieferung in die Schweiz im Online Shop. Verschiedene Geschmacksrichtungen und Stärken des Tabaks machen die Wahl auch für die anspruchsvollsten Kunden leicht. Eine große Auswahl an Snus für alle Geschmäcker.

Einige Vorschläge:

Wie schon gesagt, sind feste Regeln für die Kundenbetreuung, Blogpflege und anderen Kommunikationsmedien im Web gerade für Webworker und Freelancer meiner Ansicht nach sehr wichtig.

  • Um nicht ständig im eigenen Arbeitsrythmus unterbrochen zu werden, kann man sich feste Zeiten für die Kommunikation im Web einteilen. So kann man z.B. eine Stunde täglich für die Beantwortung von Emails oder Blogkommentaren in den Tagesplan einbinden.
  • Aus meiner eigenen Erfahrung ist es außerdem hilfreich, nicht als erste Aufgabe am Tag mit der Bearbeitung von Mails zu beginnen, sondern sich zuvor in aller Frische einer produktiveren oder eher kreativeren Aufgabe zu widmen.
  • Auch einen fester Computer-freier Tag ist eine Option. Sonntags bleibt zumindest der Laptop bei mir komplett aus. Emails checke ich zwar weiter über das Smartphone, beantwortet werden sie aber wenn irgend möglich erst wieder montags.

Dies sind natürlich ganz persönliche Regeln und bestimmt bevorzugt jeder eine etwas andere Arbeitsweise. Für mich selbst haben sich diese Tipps auf jeden Fall bereits bewährt und ich habe das gefühlt, wenn ich gewisse Regeln einhalte, wird meine Arbeit insgesamt sehr viel effektiver und am Ende steht einem mehr Freizeit zur Verfügung.

Wie ist deine Meinung?

Wie verfügbar sollte man deiner Meinung nach für Kunden und den Rest der Online-Welt sein? Hast du dir bereits feste Regeln gesetzt, wie schnell und wann du auf Emails & Co antwortest? Gibt es Tage, an denen für dich das Internet komplett tabu ist? Über deine Meinung und deine Erfahrungen freue ich mich sehr!

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  1. mk

    Den Tipp, morgens nicht den Emails sondern mit der produktiven Arbeit zu beginnen, finde ich super – das werde ich mal ausprobieren.

    Ansonsten hilft mir das Vorhandensein eines Tablets im Haushalt, den Computer außerhalb meiner – offiziell bekannten – Arbeitszeiten auszulassen. Emails können so zwar gelesen werden, falls es mal irgendwo brennt, das Bearbeiten und Beantworten bleibt aber den Arbeitszeiten vorbehalten. Dadurch ist z.B. das Wochenende tatsächlich größtenteils “computerfrei”, was ich als sehr erholsam empfinde :).

    Ja, tatsächlich finde ich, dass man sich als Webworker ganz klarer Zeiten setzen muss, die auch jeder Kunde akzeptieren muss. Natürlich abgesehen davon, wenn es tatsächlich irgendwo brennt oder drängelt. Sonst aber brennt es irgendwann die ganze Zeit, und zwar auf kleiner Flamme…

  2. Für meine Kunden bin ich – soweit nötig – immer da. Aber ich bin nicht 24/7 online. So bin ich per skype z.b. nur erreichbar, wenn ich auch am Arbeitsplatz bin.

    Ansonsten gilt. eMails werden grundsätzlich asap beantwortet und dafür nehme ich mir auch mindestens 3x täglich Zeit (und nur gaaanz wichtige werden direkt bei Eintreffen bearbeitet).

    Ansonsten gibt es individuell vereinbarte feste Kommunikationszeiten, was bei mir auch notwendig ist, da ich in Bangkok lebe und bei europäischer Kundschaft die Zeitverschiebung eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

    Gruß Lars
    http://jedinski.de – für Interessenten ;)

  3. Hallo Ellen,

    ich möchte dir im Prinzip in allen Punkten zustimmen, auch wenn deine Überlegungen nicht grundsätzlich neu sind. Selbst wenn man aufgrund seines Jobs primär E-Mails schreibt, halte ich es für sinnvoll Aufgaben zu bündeln und gesammelt abzuarbeiten, weil sich dadurch auch meines Erachtens die Produktivität erhöht. Wenn ich nicht gerade ganz ganz dringend auf eine E-Mail warte, öffne ich Mail auch nicht ständig – einzig und allein Twitter könnte noch etwas häufiger ruhen, Asche auf mein Haupt. Den Tag starte ich persönlich am liebsten mit Things und gucke mir an, was alles ansteht um eben jene Bündelung vorzunehmen und die anspruchsvolleren Arbeiten auf den Anfang zu legen und die eher stupideren auf den Nachmittag oder Abend. Letztlich ermöglicht solch ein gezieltes bearbeiten der alltäglichen Aufgaben auch, die einzelnen Aufgaben konzentrierter zu bearbeiten und davon hat im Grunde genommen auch der Kunde etwas, wenn er fragen sollte, wieso man seine E-Mail nicht innerhalb von 20min beantwortet hat… Frohes Schaffen!

  4. Gerade weil wir heute die entsprechenden technischen Möglichkeiten haben, ist es schwer “abzuschalten”. Trotzdem sollte jeder für sich feste Regeln haben.

    Auch ich musste lernen bestimmte Tätigkeiten auf den Tag zu verteilen. So lese ich früh am morgen erst die Onlineausgabe meiner Tageszeitung, um dann in den Arbeitsprozess einzusteigen, Dabei gehe ich strukturiert vor.

    Das Mailprogramm läuft im Hintergrund. Mit Hilfe von Filterfunktionen wird schon ein Teil der Arbeit erledigt, dann gewichte ich nach Dringlichkeit. Um nicht die Zeit mit Facebook und Twitter zu vertrödeln, habe ich hier den Tenor, dass ich bei konzentriertem Arbeiten an Kundenprojekten beides offline habe. So stört mich nichts, außer mein Telefon.

    An 1 Tag in der Woche (meist mittwochs) betreibe ich Akquise, dass ist dann auch mein Bürotag. Hier werden Rechnungen und Co. erledigt. Hier läuft Tweetdeck im Hintergrund. Auch Facebook ist hier semipräsent. Um nichts zu vergessen gibt es täglich Ablaufpläne. Diese sind der Maßstab des Tages.

    Am Wochenende versuche ich möglichst ohne PC auszukommen, es ist mein Ruhepol, um Kraft für die Woche zu tanken. Meine Kunde wissen, dass ich am Wochenende telefonisch nicht zu erreichen bin. Auch wenn mein Smartphone immer den Draht ins Netz hat, nutze ich es am Wochenende kaum.

    Das ist nur ein kleiner Teil dessen, um den Arbeitsalltag zu erleichtern. Ein wichtiger Baustein bei mir ist auch die Büroorganisation. Es gibt auch hier feste Regeln, doch das wäre sicherlich ein eigenes Thema im Blog wert, oder Ellen?

  5. Hi Ellen,

    wieder mal ein guter Artikel!
    Ich arbeite auch als Freelancer im Webbereich und habe einige Portale wo ich auch zusätzlich die Redaktion übernommen habe. Seit Weihnachten habe ich 3-4 große Aufträge bekommen und habe seiher jeden Tag gefühlte 24 Stunden online verbracht. Sogar nachts bin ich aufgewacht und habe auf meinem iPhone die Mails gecheckt.
    Am Osterwochenende bekam ich dann die Quittung, erst bekam ich einen steifen Nacken und dann extreme Rückenschmerzen und ich ging zu meinem Physiotherapeut der mir zuviel Stress als Ursache diagnostizierte. Dann kamen heftige Kopfschmerzen und leichte Depressionen mit Schlaflosigkeit dazu was zu einer extremen Gereiztheit fühlte, im Neudeutsch würde man so etwas wohl schon als BurnOut bezeichnen.
    Jedenfalls rate ich jedem der das hier liest sich solche Regeln wie Ellen schreibt zu erstellen und noch wichtiger diese dann auch einzuhalten!

  6. Eine kurze Reaktionszeit ist Teil des Jobs. Wenn Urlaub ansteht, bin ich allerdings komplett offline – und gebe den Kunden auch entsprechend Bescheid. Sinnvoll ist es, einen Backup-Ansprechpartner für “Notfälle” angeben zu können (der einen dann auch über den bevorstehenden Weltuntergang informieren könnte…)

    Ist das Wetter am Wochenende schlecht, sitze ich am Schreibtisch. Und freue mich, wenn sich das Wetter unter der Woche verbessert – dann sitze ich nämlich womöglich im Biergarten oder auf dem Fahrrad.

    Ob man morgens mit kreativen oder anderen Tätigkeiten beginnt, hängt vom eigenen Biorythmus ab. Morgens bin ich zu nichts zu gebrauchen, nach der ersten Kaffeepause wird’s besser. Deshalb fange ich zuerst mit den Mails an, die über Nacht aufgelaufen sind (Zeitverschiebung!) und informiere mich nebenbei über die Nachrichtenlage. Danach mache ich den Tagesplan auf eine DIN-A-4-Seite. Am Abend sollten zumindest die priorisierten Aufgaben durchgestrichen sein. Den Rest des Gekrakels kann ich nach zwei Tagen ohnehin nicht mehr entziffern. Kann nicht so wichtig gewesen sein.

    In Twitter und Facebook schaue ich alle zwei Tage mal kurz rein, zum Telefonieren muss ich aufs Dach oder ins Freie, weil der Handyempfang so schlecht ist. Wenn ich mich auf eine Sache konzentrieren muss, schließe ich auch den Mail- und den Chat-Client, die sonst auf dem zweiten Display laufen. Je nach Stimmungslage wird Musik aufgelegt. Ich bin Großraumbüros gewohnt, ich könnte auch in einer Bahnhofshalle arbeiten.

    Ich glaube, man kann nichts verallgemeinern. Jeder hat einen anderen Arbeitsstil. Auch ist Arbeit nicht gleich Arbeit, da gibt es Unterschiede. Bei Vorgängen, die hohe Konzentration verlangen, werden die meisten alle Ablenkungen bewußt abstellen, weil es effizienter macht. Bei anderen Arbeitsgängen wird deutlicher, dass sich bei Freelancern die Trennung von Arbeit und Freizeit auflöst. Das muss nichts Schlechtes sein – entscheidend ist, dass man sich dabei wohlfühlt.

    Diesen Kommentar habe ich am Nachmittag geschrieben – die Ausnahme von der Regel.

  7. Hi Ellen,

    volle Zustimmung. Ich halte es mittlerweile auch für extrem wichtig und notwendig, sich selbst ein paar Grenzen zu setzen. Ich versuche z.B., berufliche Kommunikation nur zu normalen Arbeitszeiten zu betreiben, also Mo.-Fr. zwischen 08:00 und 18:00 Uhr. Bis auf ein paar Ausnahmen klappt das auch ganz gut. Mails, die außerhalb dieser Zeit kommen, lese ich zwar gleich, bearbeite sie dann aber am nächsten Arbeitstag. Ausnahmen mache ich natürlich bei dringenden Angelegenheiten und bei Mails, die man schnell und kurz beantworten kann (getreu nach dem GTD 2-Minuten-Prinzip). Und ich glaube, dass man durch die Kommunikation innerhalb einer festen Arbeitszeit auch die Kunden ein Stück weit “erziehen” kann. D.h. Kunden lernen dadurch, dass man nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit und am Wochenende zur Verfügung steht. Ist dieses Verständnis vorhanden, verbessert das in meinen Augen die Beziehung zum Kunden.

    Einen festen Zeitraum, wann am Tag ich Mails & Co. bearbeite, habe ich nicht. Läuft immer parallel zur Projektarbeit und in Abhängigkeit selbiger. Auch hier verfolge ich das Prinzip: alles was nicht länger als 2 Minuten dauert: sofort erledigen. Alles andere: -> Fähnchen, Sternchen oder To-Do-List. :)

    Grüße
    Matthias

  8. Ich mache das je nach Lust und Laune. Habe mir schon vor einiger Zeit abgewöhnt ständig ad hoc zu reagieren. So habe ich mir mittlerweile feste Arbeitszeiten definiert, die das Wochenende etc. nicht inbegriffen haben. Außerhalb dieser Arbeitszeiten reagiere ich grundsätzlich gar nicht mehr. Es gibt so viele die mittlerweile erwarten, dass Selbständige 24/7 verfügbar sind, und das ist für mich mittlerweile ein absolutes no-go. Meine Gesundheit und mein Privatleben sind mehr wesentlich mehr wert, als ein Kunde, der solches von mir erwartet.

    Nur als kleines Beispiel: Ich hatte Ostersamstag einen Anruf auf dem AB, ob ich nicht Ostersonntag und Ostermontag ein paar Stunden jeweils proggen könnte. Auch gestern Abend um 23 Uhr klingelte das Telefon. Bei solch lästigen “Gesellen” reagiere ich mittlerweile gar nicht mehr. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass ein Gespräch in dieser Richtung nur mit Enttäuschung, Frust und ggf. Vorwürfen endet. So gehe ich diesbezüglich allem aus dem Weg und sollte ich danach gefragt werden: Mein Büro ist außerhalb der Arbeitszeiten geschlossen, da habe ich weder Zugang zu Telefon, noch zu emails und sonstigem. Sorry.

    1. Hallo Tanja,

      was man an Feiertagen oder spät in der Nacht mit Dir machen zu können glaubt, ist eine Unverschämtheit.

      Btw, was bedeutet “proggen”?

      Viele Grüße,
      Sabine

      1. Tanja

        @Sabine: Habe Deinen Kommentar unten mit einem Lächeln auf dem Gesicht gelesen. Stimme Dir vollkommen zu. Ich denke nach einigen Jahren der Selbständigkeit (bei mir sind es mittlerweile 8 Jahre) ist man irgendwann nicht mehr bereit, sich versklaven zu lassen ;-) Habe schon genug Lehrgeld bezahlt diesbezüglich.
        Es gibt aber immer mal wieder Leutchen, die es versuchen, wie in meinem erwähnten Beispiel aus diesen Tagen. Nur fahren sie da bei mir gegen eine Wand :-)

        Mit “proggen” meinte ich programmieren.

        1. Hallo Tanja,

          freut mich, dass Du Dich amüsiert hast. So war’s gedacht. Unbequeme Wahrheiten würze ich gerne mit Humor – dann tut’s nicht gar so weh. ;-)

          Danke auch für die Übersetzung. Bin ja nicht vom Fach.

          Viele Grüße,
          Sabine

  9. Zuviel Regeln schnüren ein ein und lassen Flexibilität und Spontanität eingesperrt. Gerade wenn Kreativität gefragt ist, arbeite ich auch gern mal am Wochenende, wo mich Telefon und Mailflut nicht stören.
    Eine schnelle Reaktion und eine gute Erreichbarkeit sind heute einfach Grundvoraussetzungen und werden erwartet. Wer da nicht mitgeht, ist schnell weg vom Fenster. Mir persönlich macht das auch nichts aus, auch mal am Abend gestört zu werden, aber das muss jeder für sich sehen.

  10. Kai Schmitt

    Ich habe früher über Facebook, Skype, Twitter, Email, Smartphone und Festnest-Telefon mit den Kunden gesprochen.
    Hatte kaum Zeit füt die eigendliche Arbeit, kam daher immer mit dem Projeckt im Verzug.
    Nun benutze ich nur noch das Smartphone für den Kundenkontakt. Alle meine Kunden haben keine Ahnung vom Design und PHP und JQuery usw. deswegen sind sie nur auf dem Resultat gespannt.
    Das ständinge Reden hält vom Wesentliche ab und verringert die Qualität total auch Email und Sms sind für mich nichts mehr.
    Jetzt habe ich endlich meine Freiheit und Ruhe für meine Arbeit.

  11. Hallo Ellen,

    vielen Dank für diesen inspirierenden Artikel und die spannende Diskussion, die Du angestoßen hast.

    In den vergangenen drei bis vier Jahrtausenden hat es immer Menschen gegeben, die rund um die Uhr, ohne Rücksicht auf eigene Bedürfnisse und unter Androhung des vollständigen Verlusts der materiellen Existenz oder gar des Lebens anderen zur Verfügung zu stehen hatten. Man nannte diese Menschen Sklaven oder Leibeigene.

    Diesen Sklaven war sich ihrer Lage klar bewusst. Sie bezeichneten sich deshalb selbst als Sklaven. Dadurch befanden sie sich in einer deutlich besseren Position als die Sklaven der Gegenwart, denen dieses Bewusstsein fehlt. Sie wissen nicht, dass sie Sklaven sind und nennen sich deshalb “freie Bürger”. Man kann jedoch nur etwas in seinem Leben ändern, wenn einem bewusst ist, in welcher Lage man sich befindet und man diesen Zustand auch beim Namen nennen kann.

    Diese moderne Sklavenmentalität offenbaren nicht nur Selbständige und Freiberufler, die glauben, sie müssten Tag und Nacht an 365 Tagen im Jahr ihren modernen Sklavenbesitzern per “Facebook, Skype, Twitter, Email, Smartphone und Festnest-Telefon” zur Verfügung stehen, wie Kai oben schrieb. Sklaven, die ihren Zustand hinter der Bezeichnung “Angestellte” verstecken, sind ebenso betroffen. Auch sie müssen ihren Besitzern, die sich als “Chefs” oder “Vorgesetzte” tarnen, nicht nur während der bezahlten Arbeitszeit zur Verfügung stehen, sondern auch nach Feierabend und im Urlaub.

    Urlaub und Feierabend sind deshalb schon lange nicht mehr einfach nur Urlaub oder Feierabend, sondern stets der “wohlverdiente” Feierabend und der “wohlverdiente” Urlaub. Urlaub und Feierabend ohne dieses verzeihungheischende Adjektiv wurden schon vor Jahrzehnten abgeschafft.

    Objektiv betrachte befinden sich Webdesigner in einer privilegierten Lage:

    Der Chef einer Firma braucht dringend eine (neue) Website, weil sonst der dramatisch bröckelnde Umsatz seinen Laden in den Konkurs zu treiben droht. Des Chefs Problem: ER KANN ES NICHT. Er kann keine Webseiten bauen. Das Überleben seiner Firma und damit die Arbeitsplätze seiner Angestellten hängen also von den Spezialkenntnissen eines Webdesigners ab.

    Doch anstatt dem Webdesigner dankbar zu sein und ihn auf Händen zu tragen, weil er seine Firma vor dem Untergang bewahrt, versklavt er ihn und erwartet dann, dass ihm der Webdesigner fortan rund um die Uhr für jedes Wehwehchen und jedes Ideechen als Leibeigener zur Verfügung steht.

    Und der Webdesigner ist diesem Sklaventreiber dann auch noch dankbar dafür, dass er ihn aus dem unerträglichen Joch der selbstbestimmten Verwendung seiner kostbaren Lebenszeit befreit.

    Auch zur Sklaverei gehören zwei: Einer, der versklavt, und einer, der sich versklaven lässt.

    Viele Grüße ins wohlverdiente Kiwiland,
    Sabine

  12. Hi Ellen !

    Sehr interessantes Thema !
    Die Produktivität verbessert sich aus meiner Sicht enorm mit “Regeln”.

    Einige davon sind bereits im Artikel und in den Kommentaren zu finden, andere inspirieren mich.

    Wichtiges notiere ich mir, schreibe es in die ToDo Liste.
    Ansonsten läuft das ähnlich wie bei Matthias: Was sich schnell umsetzen lässt, sofort erledigen.

  13. Ein schöner Post und eine anregende Diskussion. Ich möchte zu dem Thema noch zwei Referenzen beitragen, die mir selbst sehr bei der Meinungsbildung und meiner Einstellung geholfen haben. Markus Albers (@albersmark) hat zwei sehr interessante Bücher geschrieben, die einigen vielleicht schon bekannt sind:

    “Morgen komm’ ich später rein”
    “Meconomy”

    In beiden Büchern betrachtet er aus unterschiedlichen Gesichtspunkten die Arbeitswelt der Zukunft. Die Beispiele und Aspekte, die er bei seinen Überlegungen anbringt, gehen jedoch weit über eine klassische Berichterstattung hinaus und erweitern das eigene Meinungsbild.

    Unter anderem wird betrachtet, wie unsere Wirtschaft beginnt, auf die Technologisierung der Arbeitswelt zu reagieren, wie der Arbeitsalltag immer komplexer wird, welche Konsequenzen das hat und wie einzelne Persönlichkeiten für sich die Balance zwischen Arbeit und “dem Rest” suchen und finden.

  14. Hallo Ellen!

    Das ist ja mal ein sehr interessantes Thema, auch wenn es mich als Hartz-IV-Empfänger eigentlich gar nicht wirklich betrifft. Gut, da ist mein Blog. Der hat diesen Monat aber warten müßen, da ich einige andere Dinge regeln mußte. Da hätte ich aber dieses mal auch keine Chance gehabt, wenn ich in Arbeit wäre.

    Ich habe es mir schon vor langer Zeit abgewöhnt, daß ich mobil in’s Netz sehe. Wenn ich nicht hier an meinem Computer sitze interessieren mich meine Feeds, News und Mails herzlich wenig! Wenn ich bei Bekannten von mir am Rechner sitze kann es aber schon vorkommen, daß ich mal nach den Kommentaren auf meinem Blog sehe. Diese Woche hatte ich z. B. gar keine Möglichkeit, daß ich mich um etwas anderes kümmere. Ich bin vor ca. 3 Stunden erst nach Hause gekommen, da ist in meinem Mail- und News-Reader einiges aufgelaufen. Vier Tage sind doch eine lange Zeit…

    Ehrlich gesagt werde ich mir so lange wie möglich kein Smartphone oder ähnliches zulegen. Mein Handy ist zwar Internet-fähig, diese Funktion wurde allerdings noch nie verwendet. Es wäre etwas anderes, wenn ich das beruflich bräuchte. Aber auch dann würde ich mich so lange wie möglich dagegen sträuben, da ich immer schon Beruf und Privatleben strengstens getrennt habe. Wer mich erreichen will wenn ich nicht zu Hause bin soll mich auf dem Handy anrufen, das ist normaler Weise 24/7 eingeschaltet und die Nummer ziemlich weit im Internet verbreitet. Sie steht auch im Impressum meines Blogs und meiner Website, im Internet selbst ist sie auch sehr verbreitet.

    Ach ja, noch was: Wer mit mir was geschäftliches besprechen will hat da ein Problem. Wenn der nach 17:00 Uhr, am Freitag nach 14:00 Uhr oder am Wochenende anruft sollte seine Nummer nicht unterdrücken, sonst klingelt das Telefon ewig! ;-) Meine Bekannten und Verwandten wissen das, alles andere kann nicht wirklich wichtig sein…

    Noch eine Frage hätte ich: Wie geht das mit der Silbentrennung?? Diese Funktion kenne ich gar nicht bei Kommentaren! Gibt es da ein Plugin für WordPress oder hast du das anderweitig realisiert??

    Wetter technisch trübe Grüße aus TmoWizard’s Castle zu Augsburg

    Mike, TmoWizard

  15. Naja, ich sehe das so – die meisten Kunden arbeiten am WE nicht. Also arbeite ich auch am WE nicht. Hatte ich anfangs nur einen arbeitsfreien Tag (SO), habe ich jetzt 2 (SA + SO i.A.).

    Aber auch ansonsten bin ich nicht immer erreichbar. In der Servicewüste Deutschland reicht es meiner Meinung nach auch schon vollkommen, wenn man immer innerhalb von 24 Stunden antwortet. Die Kunden sind dann eigentlich immer zufrieden.

  16. Sehe ich genauso. Um von der Zeit her gut über den Tag zu kommen sollte man sich Zeiträume für Dinge wie Social Media, E-Mail setzen. Viele haben sogar feste Tagesabläufe (nicht nur von der zeit, sondern vom ablauf).

    Grüße, Vincent

  17. Hi Ellen,
    die ständige Erreichbarkeit empfinde ich jedoch nicht belastend. Mir ist es sehr wichtig, zu Jederzeit erreichbar zu sein und informiert zu bleiben. Die Kundenerreichbarkeit gehört für mich ganz klar dazu. Wenn der Kunde am Samstag eine Mail schickt, wird er sich denken können, dass dieser bis Montag auf Antwort warten darf.

    Das Fundament für erfolgsorientiertes Arbeiten sind Informationen. Die Komplexität der Web-Industrie stellt eine neue und anspruchsvolle Aufgabe an Designer und Entwicklern immer auf den neuesten Stand zu bleiben. Informationen organisieren, darum geht’s.

    Jeder muss für sich einen Weg finden, wie Informationen so organisiert werden können, dass der Workflow permanent optimiert bleibt und man sich selbst bewusst bleibt.

    Ellen, ich teile deine Ansicht, sich einen Tag in der Woche von der Arbeit zu distanzieren. Mir ist es wichtig an diesen freien Tag nicht nur zu regenerieren, sondern mich auf nicht weltliche Belange und Gewohnheiten einzulassen. Einen Tag, um über mich und meine eigne Wahrheit zu sinnen. Runterfahren – Nullpunkt, absolute Entspannung. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt um über Ziele nachzudenken und neue Entscheidungen zu treffen.

    Meine persönliche Herausforderung besteht nicht darin, mich vom Informations-Durst der Online-Medien und der Kundenerreichbarkeit zu lösen oder zu distanzieren, sondern darin, wie ich im Alltag mein Bewusstsein auf meine eigene Wahrheit und Selbstwahrnehmung kontinuierlich gerichtet weiß. Dieser freie Tag hilft mir dabei und auch mit der ansteigenden Komplexität und Herausforderungen im Web umzugehen.

    Ich sage also „Ja“ zu deinem Vorschlag mit dem freien Tag!

    Lieben Gruß :-)

  18. Hallo, Ellen. Ständige Erreichbarkeit finde ich gut – und wichtig, gerade wenn man mit Redaktion und damit mit Aktualität handelt. Immer wieder bin ich allerdings mit dem Anspruch sofortiger Reaktion konfrontiert: Menschen, die Kontakt aufnehmen, verlangen unabhängig vom Anlass nach Reaktion innerhalb von Stunden, weil die andere Seite zu kurz denkt und Erreichbarkeit mit Verfügbarkeit gleichsetzt. Hier sehe ich noch jede Menge Lernbedarf in Sachen Kommunikations-Etikette, im professionellen wie im privaten Bereich.

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