Minimalistisches Webdesign: Grundprinzipien und Webseiten-Beispiele

Wie man ja schon an unserem neuen Redesign sehen konnte, haben wir uns in der letzten Zeit mehr mit dem Thema Minimalismus in Design und Kunst auseinandergesetzt. Das Prinzip sich im Designprozess auf die wesentlichen Designelemente zu reduzieren, und so die Form an die Funktion anzupassen, finde ich sehr faszinierend.

Natürlich gefällt uns auch expressiveres Design sehr und die Gegensätze beider Richtungen macht Webdesign wohl erst so richtig spannend und vielseitig. Als Einstieg einer kleinen Serie über minimalistisches Webdesign habe ich in diesem Artikel die Grundprinzipien dieser Richtung, ein paar Infos zur Geschichte von Minimalismus, sowie Webseiten-Beispiele zur Inspiration zusammen gestellt.

1. Prinzipien minimalistischen Designs

Der prägendste Grundgedanke minimalistischer Kunst und Gestaltung ist das Prinzip: Die Form folgt der Funktion. Das bedeutet, dass alle Gestaltungselemente, die lediglich der Dekoration dienen und für die Funktion des Designs nicht notwendig sind, weggelassen werden.

Natürlich ist dieser Grundgedanke nicht neu und man findet minimalistische Prinzipien in den verschiedensten Bereichen von Kunst, Architektur, Design, Typografie aber auch in Lebensphilosophien. Besonders in asiatischen Kulturen und religiösen Weltanschauungen wie dem dem Buddhismus oder Taoismus sind diese Prinzipien der Vereinfachung und Reduktion aufs Wesentliche tief verankert. Aber auch in der modernen Konsumgesellschaft kommen die Menschen wieder zu einer reduzierten Lebensprinzipien zurück und das Motto „Simplify your life“ wird zum Trend.

Wichtig ist es meiner Ansicht nach, ein aufs wesentlichen reduzierten Designprozess nicht so zu interpretieren, dass keine individuellen Elemente mehr genutzt werden dürfen. Schließlich ist es auch bei einem minimalistischen Webdesign, eine Schrift oder ein Logo wichtig, Persönlichkeit und Identität auszustrahlen.

2. Entwicklung des Minimalismus in Kunst und Design

Eine sehr lange Tradition hat die minimalistisches Denkweise in der asiatischen Kultur. Japanische und chinesische Kalligrafie, japanische Architektur und Kunst spiegeln diese Prinzipien wieder.

Minimalismus im Webdesign
Japanischer Garten in Singapur (Fotokredit von wilth).

In der modernen Kunst hat die minimalistische Kunst ihren Ursprung in den USA der 1960er Jahre. Der von Philosoph und Kunstkritiker Richard Wollheim prägte den Begriff „Minimal Art“ in einem Artikel von 1965. Besonders großen Einfluss hatte der Minimalismus auf Skulpturen und Architektur, aber auch Musik und Design.

Minimalismus im Webdesign
Sol LeWitt: Wall / Floor (Thress Squares) 1966 (Fotokredit von 16 Miles of String).

Geprägt ist der Minimalismus im Design sicher auch von den in Prinzipien und Denkansätzen des Künstlers Piet Mondrian mit seinen abstrakten auf die Grundfarben rot, gelb und Blau reduzierten Gittermustern.

Minimalismus im Webdesign
Werk von Piet Mondrian (Fotokredit von Kent Wang).

In der Architektur prägte beispielsweise Ludwig Mies van der Rohe mit seiner Aussage „Weniger ist mehr“ und seinen reduzierten, durch geometrische Formen geprägten Gebäuden die reduzierte Architektur der Moderne. Der Barcelona-Pavillion zur Weltausstellung 1929 ist wohl das berühmteste Beispiel für die Arbeit von Mies van der Rohe.

Minimalismus im Webdesign
Barcelona-Pavillion, Nachbau in Barcelona (Fotokredit von Michael Schwegel).

Im Grafikdesign und in der Typografie wurde ein, auf die wesentlichen Elemente reduzierter Stil, besonders durch die Schweizer Typografie (ungefähr seit 1955) von Max Bill, Adrian Frutiger (Schriftentwürfe: Univers, Frutiger) oder Josef Müller-Brockmann (Rastersysteme) beeinflusst.

Minimalismus im Webdesign
Univers-Schrift von Adrian Frutiger. (Fotokredit von 80magazine).

3. Gestaltungselemente minimalistischen Webdesigns

In der noch sehr jungen Disziplin Webdesign waren den Gestaltern anfangs auf Grund von technischen Einschränkungen nur relativ wenige Möglichkeiten gegeben. Durch die Weiterentwicklung von CSS und der Verwendung von Bildern (z.B. für Buttons oder Hintergründe) wurden den Webdesignern mehr Optionen gegeben. Inzwischen kann man aber auch wieder einen deutlicher Trend zu reduzierteren Designs, meist auf einem Rastersystem aufbauend erkennen.

Wichtige Prinzipien für minimalistisches Webdesign sind die Reduzierung auf die wesentlichen Designelemente. Auf alle Elemente, Flächen, Farben und Formen die nicht für der verbesserten Darstellung des Inhalts dienen, wird verzichtet. Eine gute Lesbarkeit und der Fokus auf den Inhalt sind die wichtigsten Ziele eines minimalistischen Webdesigns.

Meist wird ein minimalistisches Webdesign auf der Grundlage eines Rastersystems aufgebaut. Das Raster garantiert einen übersichtlichen und strukturierten Aufbau der Inhalte.

Auch die Weißräume in die Gestaltung mit einzubeziehen ist ein wesentliches Element des minimalistischen Webdesigns. Durch die richtige Verteilung von Abständen und Leerräumen zwischen den Inhalten kann die Hierarchie der Inhalte erkennbar gemacht werden.

Die Typografie in minimalistischen Designs ist ebenfalls schlicht und reduziert, durch die Verwendung weniger Schriften in ihren unterschiedlichen Schnitten (italic, bold, normal) und Schriftgrößen kann die Hierarchie der Inhalte weiter betont werden.

Auch für die Farbgebung eines minimalistischen Designs gilt das Prinzip „weniger ist mehr“. Meist wird als Grundfarbe, weiß, schwarz oder Grau verwendet. Eine weitere Signalfarbe dient dann oft als Link- oder Hinweisfarbe.

4. Beispiele im Webdesign

Zur Inspiration habe ich noch einige interessanten Webseiten-Beispiele mit minimalistischem Designansatz zusammen gestellt.

Francesco Bertelli

Minimalismus im Webdesign

Die animierte Portfolio-Webseite des in New York lebenden Designers Francesco Bertelli lebt von ihrer Großzügigkeit und Einfachheit. Die Farbigkeit beschränkt sich auf Blau- und Grautöne und Weiß. Bemerkenswert ist auch der angenehme Hover-Transition-Effekt der einzelnen Quadrate.

Kaune & Hardwig

Minimalismus im Webdesign

Kaune-Hardwig.com ist die Portfolio-Webseite des Berliner Grafikdesign- und Typografiestudio von Malte Kaune und Florian Hardwig. Die schlichte Eleganz der Webseite präsentiert optimal die sehr schönen Arbeiten. Die schwarz/weiße Webseite setzt Gelb sehr dezent als Initialfarbe ein.

Allan Yu

Minimalismus im Webdesign

Auch die Portfolio-Webseite des Grafikdesigners Allan Yu spielt mit einer sehr reduzierte Farbpalette. Einige Slider helfen bei dei Navigation der Webseite. Bemerkenswert und einprägsam finde ich auch das Logo, welches den Nachnamen Yu (weiß auf schwarz) auf dem Kopf liegend zeigt.

Andy Rutledge

Minimalismus im Webdesign

Der Webblog des Designers Andy Rutledge hat eine wunderschöne Typografie. Auch interssant finde ich den etwas ungewöhnlichen Aufbau, geprägt ist von horizontalen grauen Hintergrunds-Flächen und einer knalligen Orange-Roten Initialfarbe.

Lundgren + Lindqvist

Minimalismus im Webdesign

Auch diese sehr minimalistische Webdesign des Designstudios Lundgren + Lindqvist aus Göteborg, schafft es Inhalte und Projekte sehr schön in den Vordergrund treten zu lassen.

sindsindsind

Minimalismus im Webdesign

Das Portfolio des Typografen und Designers Greg Ponchak ist meiner Ansicht ebenfalls ein gutes Beispiel für minimalistisches Webdesign. Sehr ungewöhnlich ist der Hover-Effekt von Bildern, da alles bis auf das jeweilige Bild mit einer blau-transparenten Fläche abgedunkelt wird.

Re-Format

Minimalismus im Webdesign

Das englische Design Studio Re-Format nutzt für seinen Webauftritt ein sehr grelles Grün. Eine Besonderheit in der sonst sehr reduzierten Gestaltung finde ich das Logo, welches in zwei Teile geteilt ist (oben rechts und unten links auf der Webseite) und die Inhalte der Webseite dahinter vorbeiscrollen.

Keith Houston

Minimalismus im Webdesign

Der Designer Keith Houston nützt für seinen Blog eigentlich nur rote und schwarze Typografie, aber dafür super lesbar und super angenehm.

The Dye Lab

Minimalismus im Webdesign

Auch die Portfolio-Webseite des Grafikdesign-Studios The Dye Lab aus Seattle/New York basiert auf einem sehr klaren Rasterlayout. Sehr interessant finde ich die farbigen Felder und wie man diese auf der Seiteverschieben und wegklicken kann.

Method Design Lab

Minimalismus im Webdesign

Die Webseite von Method Design Lab verwendet ein dezentes Grau als Grundfarbe, die Navigation ist reduziert. Die Überschriften der Artikel und neusten Tweets wird mit einer farbigen Grundform in unterschiedlichen Größen eingeblendet.

ZWEIDREI

Minimalismus im Webdesign

Der sehr kreative und experimentelle Webauftritt der Berliner Medienagentur ZWEIDREI verwendet als Hauptdesign-Element und Webseiten-Navigation mehrere schwarze Dreiecke, die sich bei Rollover in verschiedenen Farben animieren.

Weitere minimalistische Webdesign-Inspirationen kannst du dir übrigens auch noch auf der Webseite Minimal Sites anschauen.

Wie gefällt dir minimalistisches Design und was hältst du von den Prinzipien dieser Richtung? Kennst du noch weitere interessante Quellen oder Webseiten-Beispiele für minimalistisches Webdesign? Über dein Feedback und weitere Tipps freue ich mich sehr!

17 Kommentare

  1. Ich liiiiiiiiebe minimalistisches Webdesign. Danke für die tollen Inspirationen.

    Kleiner Hinweis: das Wort hältst kommt von halten, nicht von Hals ;-).

    • Hallo Ulf,

      danke für dein Feedback, den Schreibfehler habe ich korrigiert, danke für den Hinweis :-)

      Gruß, Manuel

  2. Hallo Manuel.
    wunderbarer Artikel, informativer Überblick und tolle Inspiration – auch für die Foto- und Schreibkunst! liebe Grüße, Tina

  3. Wer mit vielen Dingen eine einfache solide Sache erschafft oder wer mit wenigen dingen etwas Komplexes erschafft … – Es kommt auf das Ziel an um sagen zu können was einfach ist oder was nicht.
    Die Genialität zeigt sich dort, wo die Einfachheit der Sache selbst als göttliches Prinzip verwendet wird.

    Ich bin der Meinung, das einfache bzw. minimalistische Designs auf dem breiten Markt am besten funktionieren. Ich habe großen Respekt vor Designer, die mit einfachen Flächen und wenig Farben ein Screendesign erschaffen, das funktioniert!

    Bei einem Groß-Projekt durfte ich gleich ein dutzend individuelle Screendesigns erstellen. Das Thema habe ich selbst gewählt „Einfache moderne Designs“.
    Die Arbeit von Allan Yu erinnert mich stark daran.

    Manuel, ich bin überzeugt von minimalistischen- und einfachen Designs. Das spricht mich an und durchzieht viele Bereiche meines Lebens.

    Minimalistische bzw. einfache Designs sind ein Trend, der erst noch richtig kommen wird. Und Designs zu finden wie bei wie http://ma.tt/ oder http://www.blog.spoongraphics.co.uk/ werden zwar nicht verschwinden, jedoch weniger werden.

    Das ist natürlich nur meine Vermutung.

    Manuel, danke für diesen gelungenen Artikel!!

    Lieben Gruß,
    Jonathan

    PS: habt ihr garnicht mehr diesen „Auto-Fill“ bei den Kommentaren? Irgendwie muss ich neuerdings immer alle Felder erneut ausfüllen.

    • Hallo Jonathan,

      vielen Dank für dein tolles Feedback zum Artikel und deine Einschätzung zum Thema. Mir gefällt minimalistische Gestaltung ebenfalls sehr gut. Die Form in Hinblick auf ihre Funktion zu optimieren macht meiner Ansicht nach einfach Sinn, egal ob es sich dabei um Architektur, Grafik- oder Webdesign handelt. Und auch im Alltag kann man sich natürlich so manches leichter machen, wenn man sich etwas mehr auf das Wesentliche reduziert :-)

      Gruß, Manuel

      PS: An der Formular-Funktion haben wir eigentlich nichts geändert. Eventuell könnte es an deinen Browser-Einstellungen liegen?

  4. Vielen Dank für den gelungenen Artikel! Da ich momentan an einem neuen minimalistischen Theme arbeite, kommt mir der Artikel gerade recht und verschafft mir etwas mehr Inspiration. :)

    • Hallo Tom,

      vielen Dank für dein Feedback, es freut mich, dass dir der Artikel so gut gefällt und du die Inspirationen auch gleich für deine eigenen Arbeiten nutzen kannst :)

      Gruß, Manuel

  5. Echt ein paar schöne Inspirationen in Sachen „Webdesign“. Gefällt mir sehr! Aber ehrlich gesagt find ich die Textfelder auf Method Design Lab etwas gewöhnungsbedürftig!

    • Hallo Vincent,

      vielen Dank für dein Feedback zum Artikel. Es freut mich, dass dir die Inspirationen gefallen :-)

      Gruß, Manuel

  6. Prima, dass Architektur und Webdesign auch in Euren Augen nicht so weit auseinander liegen. Räume so zu organisieren, dass Wege gut zurück gelegt werden können, und das bei ansprechender Ästhetik, ist unser aller Aufgabe – ganz gleich, ob sich die Maus oder der Mensch bewegt.

    • Hallo BO,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich finde du hast vollkommen Recht, Gestaltungsprinzipien lassen sich meiner Ansicht nach ebenfalls auf die unterschiedlichsten Bereiche übertragen. Architektur fasziniert mich selbst auch sehr und ich finde minimalistische Gebäude oder Innenarchitektur besonders interessant.

      Gruß, Manuel

  7. Hallo,
    seit Wochen war ich beschämender Weise nicht mehr hier zu Besuch und finde gleich so einen Leckerbissen. Das passt gerade so perfekt.

    Grüße

  8. FfF bedeutet aber auch, dass minimalistische Designs für viele Seiten – gerade alltägliche Websites – nicht funktionieren können. Fast alle Beispiele von Minimalismus zeigen wenig Text, ja wenige Informationen kunstvoll in Szene gesetzt. Die durchschnittliche Website hat aber relativ viel Text (das ist auch gut so), mal mit, mal ohne Bilder, Strukturen, Listen oder Seiten mit vielen oder wenigen Inhalten. Mit Rastern kann man da schon was machen, Designarbeit wie oben sollte man aber erstmal nicht erwarten. Auch Blogs mit ihren vielen verschiedenen Elementen sind m.E. ein schwieriges Thema. Auch suggeriert Design auch oft die Wichtigkeit des Bildes, was in einem Informationsmedium wie dem Web aber durchaus kritisch gesehen werden muss.

  9. Meine ganz klaren Favoriten: „Re-Format“ und „Keith Houston“ … Danke für die klasse Übersicht !

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