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Praktische Tipps für die Aufnahme von Screencasts und Video-Podcasts

Da ich öfters gefragt werde, wie und mit welchen Tools wir unsere Screencasts und Video-Podcasts hier auf Elmastudio erstellen, habe ich ein paar Tipps (zur Software, Ausrüstung und Techniken) zusammengestellt, die uns bisher bei der Erstellung von Video-Podcasts und Screencasts weitergeholfen haben.

1. Programme für Screencast-Aufnahmen

Für Screencasts kenne ich vor allem Camtasia Studio (Windows- und Mac-Version), als leicht zu bedienendes, professionelles Programm, das speziell für die Erstellung von Screencasts entwickelt ist. Leider ist das Programm, vor allem für Windows-Nutzer recht teuer (die Kosten sind 282€ für die Windows-Version und 93,50€ für die Mac-Version). Es gibt aber eine 30-tägige, kostenlose Probeversion (zum Downloaden auf der Camtasia Studio Webseite), so kann man sich das Programm erst einmal anschauen und testen.

Camtasia Studio nutzen

Die Benutzeroberfläche von Camtasia Studio.

Wir nutzen inzwischen Camtasia für Mac und auch wenn ich bisher längst nicht alle Funktionen des Programms ausprobieren konnte, gefällt mir die einfache Handhabung von Camtasia Studio schon sehr. Man kann leicht Video-Abschnitte zusammenschneiden, Ton addieren (oder auch nachträglich aufnehmen) und hilfreiche Effekte wie Zooms, Text-Infos, Animationen oder Maus-Markierungen einbinden, um die die eigenen Screencasts zu optimieren.

Vergleichbare Alternativen zu Camtasia Studio gibt es meines Wissens für Windows-Nutzer leider nicht wirklich (über eure Tipps freue ich mich sehr). Für Mac gibt es als Alternative Software noch “Screenflow” mit ähnlichen Funktionen, wie Camtasia Studio. Screenflow kostest 77€ und auch hier gibt eine 30 tägige, kostenlose Testversion.

Für kurze Screencasts mit geringerer Auflösung kann man außerdem den Online-Screencast Service Screenr nutzen. Das Programm ist dafür ausgerichtet, dass Screencasts via Twitter oder auf anderen Social Media-Plafformen geteilt werden können.

Außerdem gibt es eine Free-Version des Camtasia-Anbieters Techsmith namens “Jing”. Für kurze Screencasts (bis 5 Minuten) ist dieses Programm auch nutzbar (es ist schon eine Weile her, dass ich es selbst getestet habe). Für etwas professionellere Videos ist Jing aber meiner Ansicht nach nicht mehr geeignet.

Eine Vergleichstabelle von Screencast-Programmen findest du auch auf Wikipedia.

2. Programme zum Schneiden von Videos

Auch zum Schneiden von Videos (z.B. für Podcasts) gibt es etliche Angebote und man sollte wenn möglich verschiedene Ausprobieren, um das passende für die eigenen Bedürfnisse zu finden. Ich selbst nutze derzeit fürs Schneiden meiner Video-Podcasts ebenfalls Camtasia Studio. Da ich bereits mit dem Programm vertraut bin, spare ich so Zeit. Außerdem habe ich bisher nur ganz reduzierte Funktionen des Video-Schnitts benötigt (Tonspuren trennen, Ton und Bild getrennt bearbeiten, leichte Überblendungen und simple Text-Einblendungen).

Mac-User können einfache Videos natürlich auch direkt mit iMovie schneiden, wer Adobe nutzt, kann für den professionellen Video-Schnitt Adobe Premiere einsetzen. Ich habe das Programm auch schon ausprobiert, bisher war es mir aber für meine einfachen Bedürfnisse immer zu komplex.

Wer einmal ausprobieren möchte, Videos direkt auf dem Tablet oder sogar auf dem iPhone zu schneiden, kann sich außerdem die iMovie App kaufen (Kosten 4,49€). Ich habe das Schneiden bisher nur für kurze Urlaubsvideos ausprobiert, auf dem iPad funktioniert das Schneiden von einfachen Filmsequenzen aber erstaunlich gut.

3. Tipps zur Tonqualität

Hier habe ich schon jede Menge ausprobiert und je nachdem wie viel Geld man investieren kann oder möchte, gibt es bzgl. eines geeigneten Mikrofons für Screencasts und Video-Podcasts jede Menge Möglichkeiten. Es gibt sehr gute, professionelle USB-Podcast- und Screencast Mikrofone für ca. 100-200€ (beliebt ist z. B. das Yeti Microphone für ca. 140€). Das ist natürlich sehr viel Geld und z.B. für Hobby-Blogger eventuell nicht ganz das Richtige.

USB Mikrofon Ich hatte länger mit einem ca. 60€ USB-Mikrofon von Fame (gekauft bei Musicstore) gearbeitet und die Qualität war für meine Bedürfnisse wirklich ausreichend. Da mir das Mikrofon neulich leider kaputt gegangen ist, habe ich einfach einmal das interne Mikrofon vom MacBook Pro ausprobiert und bin eigentlich mit der Qualität auch sehr zufrieden (zumindest, wenn keine großen Nebengeräusche in der Umgebung sind und man relativ direkt ins Mikro spricht).

Leichtes Rauschen kann man dann nachträglich noch im Video-Schnittprogramm rausfiltern und auch den Ton in der Lautstärke noch im Programm erhöhen. Besonders wichtig ist es, dass man die Aufnahmen in einem Raum aufnimmt, der nicht zu groß ist und keine sehr glatten Wände oder Böden hat, um Hall zu vermeiden. Diesen bekommt man nämlich auch mit Hilfe eines Video- oder Tonprogramms nicht entfernt/verbessert und die Aufnahme klingt unangenehm (diese Erfahrung habe ich leider selbst “the hard way” gelernt, in einem kleineren Raum war der Ton dann gleich sehr viel angenehmer und gedämpfter).

4. Welche Kamera eignet sich für Video-Podcasts?

Für Vidoe-Podcasts kann man, wenn vorhanden, einfach die Video-Funktion einer digitalen Spiegelreflexkamera nutzen (ich mache meine Aufnahmen z.B. mit einer Nikon Coolpix P7000 im größten Videoformat HD720p, was für HD YouTube- oder Vimeo-Videos aus meiner Sicht vollkommen ausreichend ist). Die Kamera steht auf einem einfachen Stativ. Wenn man alleine arbeiten möchte, ist ein Kabel für Selbst-Auslösungen praktisch.

Hast du eine gute Webcam an deinem Notebook kannst du natürlich auch Videos direkt an der Webcam aufnehmen. Ich denke es kommt darauf an, welchen Bildausschnitt man nutzen möchte und für welche Zwecke die Videos benötigt werden. Auch Aufnahmen mit der Smartphone sind möglich, hierfür ist dann ein kleines Stativ oder Tischstativ wichtig (z.B. die flexiblen Gorillapod Stative).

5. Script erstellen und vorab üben

Neben der ganzen Ausrüstung und den Tipps zum Aufnehmen und Bearbeiten der Videos sollte man natürlich nicht vergessen, sich so gut es geht für das Screencast oder Video-Podcast vorzubereiten. Natürlich heißt das nicht, dass man einen Text komplett auswendig lernen muss, denn es soll ja kein langweiliges, steifes Video entstehen.

Dennoch ist es hilfreich, sich vor der Aufnahme ein Script zu erstellen und genau zu überlegen, welche Punkte man ansprechen möchte. Gerade bei einem Screencast ist das besonders wichtig und man kann viel Zeit bei der eigentlichen Aufnahme sparen, wenn man sich vorab gut vorbereitet.

6. Lange Screencasts und Videos auflockern

Neben einer vorbereiteten, aber dennoch locker aufgenommenen Aufnahme kann man dann das eigene Video noch optimieren und spannender machen, indem man dezente Effekte nutzt. Bei Screencasts kann es beispielsweise sinnvoll sein, in einen bestimmten Bildschirmbereich zu Zoomen, um ein Detail besser sichtbar zu machen.

Mauszeiger-Markierungen in Camtasia setzen.

Mauszeiger-Markierungen in Camtasia setzen.

Auch Mauszeiger-Markierungen, Pfeile oder erklärenden Text auf Info-Feldern kann man bei Bedarf einfügen, um das Video spannender und vielseitiger. Allerdings sollte man meiner Ansicht nach auch nicht mit Effekten übertreiben, da dies sonst schnell anstrengend für den Zuschauer werden kann.

7. Learning by Doing

Der letzte, aber sicher einer der wichtigsten Tipps gerade bei Screencasts und Video-Aufnahem ist es durch Übung zu lernen, da man nur durch eine gewisse Routine besser werden kann und mit jedem neuen Video dazu lernt. Aus meiner Erfahrung ist man durch all die Technik und den relativ hohen Aufwand schnell abgeschreckt oder demotiviert, vor allem wenn das Ergebnis anfangs noch nicht so hundertprozentig die eigenen Erwartungen erfüllt.

Aber man kann schnell dazu lernen und wichtig ist glaube ich vor allem, dass man einfach loslegt und Spaß am Thema Screencasting oder Video-Podcasting hat, statt das alles gleich von Anfang an perfekt geschnitten, ausgeleuchtet etc. sein muss. Durch Übung und das Sammeln von Erfahrungen werden die Aufnahmen dann von ganz alleine besser.

Wie sind deine Tipps und Erfahrungen?

Welches sind deine Tipps und Erfahrungswerte zum Thema Screencasting und Video-Postcasting? Hast du auch schon verschiedene Software und Hardware ausprobiert und welche Tipps kannst du weitergeben? Über deine Feedback und deine Erfahrungen freue ich mich sehr!

19 Kommentare

  1. Für die Mac User möchte ich mal anmerken, dass wir mit QuickTime ein kostenloses vorinstalliertes Screencast Programm haben. Wer also nur reinschnuppern und erste Erfahrungen sammeln möchte, kann das mit QuickTime wunderbar!

  2. Ich denke, das wichtigste sind ein guter Ton und – wenn man nicht nur den Screen zeigen will – ordentliche Beleuchtung. Selbst mit geringen Mitteln (Mikro und 2, besser 3 Leuchten) kann man hier seine Videos schon ordentlich aufwerten.
    Auf dem Mac nutze ich sehr gerne Screenflow und bisweilen GarageBand für den Ton. Das Zusammenschneiden ist kinderleicht, vor allem wenn man zur Sicherheit zu Beginn der Aufnahme einmal klatscht oder eine Klappe hat.

    Ansonsten ist Punkt 5 wahrscheinlich der wichtigste – ohne ein ordentliches Skript läuft man schnell Gefahr, ins Faseln zu geraten.

  3. Guter Artikel! Ich selber mache ja auch schon ne ganze Weile Screencasts, und auch ich fand ich es immer wichtig, einen guten Ton zu haben. Habe da im Laufe der Zeit auch schon einige Mikrofone durch. Da ich aber gleichzeitig ein wenig Bewegungsfreiheit für den Kopf brauche, nutze ich ausschließlich Headsets, zur Zeit eines von Logitech, mit dem bin ich eigentlich sehr zufrieden (http://www.amazon.de/gp/product/B003PAGQZK/ref=oh_details_o06_s00_i00). Wobei ich generell noch einen Rauschfilter auf die Aufnahme lege, das bringt immer noch eine kleine Verbesserung.
    Wenn ich selber mal andere Screencasts anschaue, bin ich meistens gleich wieder weg, wenn der Ton scheisse ist. Ich finde es auch wichtig, das man klar und verständlich spricht und nicht ständig “äh” und “öh” sagt ;) Sowas passiert mir natürlich auch, aber das schneide ich in der Nachbearbeitung raus.

    Als Software nutze ich schon eine ganze Weile Camtasia, früher auf Windows, inzwischen auf dem Mac. Wobei ich leider sagen muss, dass die Mac-Version von den Funktionen und der Bedienung her nicht annähernd an die Windows-Version rankommt. So lässt sich sicher auch der enorme Preisunterschied zwischen Win- und Mac-Version erklären. Wobei es mir unverständlich ist, warum die Mac-Version eigentlich nur eine abgespeckte Variante der Windows-Version ist. Aber trotzdem kann man sehr leicht und bequem damit arbeiten.

  4. Hallo! Danke, sehr aufschlussreich!
    Ich benutze statt Camtasia – eben aus Kostengründen – Ashampoo Snap, Version 4 habe ich bei Chip als kostenlose Vollversion gefunden und dachte erst, es sei nur wieder ein kleines Tool. Ich hab es eigentlich erstmal nur ausprobiert, weil mich die anderen kostenlosen Screenrecorder überhaupt nicht überzeugt haben, bin bisher aber sehr zufrieden. Nun fehlt mir für mein Mikro nur noch eine Soundkarte und einen guten Verstärker :)

  5. Prima Zusammenstellung, wie man möglichst einfach zu brauchbaren und guten Ergebnissen von Video-Podcasts kommt. Gefällt mir sehr gut, vor allem auch die Schilderung der Erfahrungen, um Schritt für Schritt die Aufnahmen zu verbessern. Vielen Dank für die Anregungen, auch aus den Kommentaren. Das macht Mut, mal selbst so etwas auszuprobieren.

  6. Super Zusammenfassung, vielen Dank Ellen.
    Bald will ich auch anfangen Screencasts für meinen Blog zu produzieren.
    Mal sehen welche Software ich auf Windows einsetzen werde. Besonders wichtig finde ich den Ton. Muss mir hier noch ein paar Mikrofone anschauen.

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  9. Olli

    Hmm…das wichtigste zum Schluß ;)

    Ich mache häufig Screenrecording, und die paar brauchbaren kann man an einer Hand abzählen. Den besten wmv-Codec für kompakte Dateigröße bei hochwertigen Ergebnissen hat FastStone Capture. Variable Bitrate! Wir kennen wohl alle die letzte, kostenlose 5..3, dieses klasse Teil für Screenshots.

    Meistens nutze ich das kostenlose Debut Video Capture 1.64. Is’ eigentlich sehr gut, aber erst muss man per scharfgestellter Firewall die eigenmächtigen Internetverbindungen blockeren. Dann hat man ein echt gutes Teil, das man nicht unterschätzen sollte, auch wenn’s eigentlich ‘ne Adware ist. Die 1.7 soll noch zickiger sein, also immer vorher noch schnell ein System-Image mit Acronis machen ;) Unter Windows > Tasks wird so’n affiges ShakeIcons hinterlegt. Terminieren :)
    Snap 4 is okay.

    Und das meiste, das allermeiste ist eigentlich Schrott :(

  10. Olli

    Leider muß ich mit großer Betroffenheit einen hässlichen Nachtrag in diesem angenehmen Thread posten

    Ich nutze mit großer Zufriedenheit die Version 7.0 von FastStone Capture, um Screenrecordings zu erstellen. Sauberes Bild, kompakte Dateigröße, so soll es sein, dafür kann und soll man dann auch bereit sein, zu bezahlen.

    Doch was ist denn jetzt passiert?! Beim Testen der Version 7.3 sehen die Videos nur noch erbärmlich aus! Auch mit 7.1 nur Mist! Keine Ahnung, was da los ist, vielleicht abhängig von der Hardware. Aber was soll’s, ich bleib dann halt bei 7.0. Basta!

    Ich hoffe, ich konnte hilfreich sein.

    Für’s reine Screenrecording ist Camtasia schon erstaunlich schlapp, genauso wie Microsoft Expression, Active Presenter…. :(

    • Henrik

      Seltsam, ich bin auch von Faststone Capture 7.0 zu 7.3 gewechselt und habe keinen Unterschied bei der Bildqualität bemerkt.

      Was mich bei 7.3 im Vergleich zu 7.0 jedoch stört: Man kann die Lautstärke des (künstlich eingespielten) Mausklicks nicht mehr regeln. Bei 7.0 hatte ich 40 Prozent für den Mausklick verwendet, jetzt muss ich mit 100 arbeiten.

  11. Olli

    Ich nutze, unter anderem, auch gerne den KM-Player, der sehr schön Informationen zum verwendeten Codec etc. ausgibt. Ab FSC 7.1 haben die Videos keine variable Bitrate mehr. Feine Strukturen, Linien usw. sind bei mir seitdem plötzlich grottig geworden….:(

    Viellleicht sollte man die 7.0 erdbebensicher einlagern :)

  12. Ich setze Screenium (leider nur für Mac) ein, weil ich für Kunden kurze Erklär-Videos aufnehme. Für diese Zwecke reicht das vollkommen aus. Mittlerweile kostet die Version 35,99. In der Anfangszeit waren es noch 20 Euro …

    Ein allgemeiner Tipp noch für das Aufnehmen:
    Immer wieder sehe ich – auch professionelle – Video-Tutorials, bei denen der Ersteller nicht darauf achtet, nur die notwendigen Mausbewegungen zu machen. Da man die Maus natürlich immer im Auge hat, ist das oftmals unnötig anstrengend überflüssige und/oder hektische Bewegungen zu verfolgen.

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