Ein Roboter-Maskottchen entsteht (Teil 1): Charakterfindung und Skizzen

Roboter Maskottchen entsteht Teil1

Bestimmt hast du schon bemerkt, dass wir bei Elmastudio rie­sige Fans von Webseiten-Maskottchen sind. Daher haben wir uns über­legt eine kleine Tutorial-Serie zu machen, in der du die Entstehung eines Maskottchens von der ersten Skizze bis zur fer­tigen Illustrator-Illustration mit­ver­folgen kannst. Im heu­tigen ersten Teil möchte ich dir zeigen, wie du einen Maskottchen-Charakter ent­wi­ckeln kannst und welche Schritte du dabei beachten soll­test.

Ich wün­sche dir viel Spaß beim Tutorial und freue mich schon sehr auf dein Feedback :-)

1. Die fer­tige Skizze

Roboter Maskottchen erstellen
Diese Skizze dient später als Vorlage für die Illustrator-Illustration.

Darf ich vor­stellen: Das ist der kleine Roboter »Lime-Bot«. Er soll später in der Tutorial-Serie zu unserem Webseiten-Maskottchen werden. Als ersten Schritt möchte ich heute beschreiben, wie ich den Charakter und die Figur des kleinen Roboters ent­wi­ckelt habe. Bei der Entwicklung eines Maskottchens kommt es nicht unbe­dingt darauf an, dass du der aller­beste Zeichner bist. Vielmehr ist wichtig, dass du dir Gedanken machst, welche Wirkung dein Maskottchens haben soll (möch­test du z.B. einen ath­le­ti­schen Superheld, einen nied­li­chen Panda oder viel­leicht sogar einen rich­tigen Bösewicht gestalten).

Das Ziel dieses ersten Tutorials ist es also nicht eine per­fekte Zeichnung zu erstellen, son­dern einen leben­digen Charakter zu entwickeln.

2. Inspirationen sammeln

Um Inspirationen für dein Maskottchen zu sam­meln ist es sehr hilf­reich, dir ein Imageboard (oder Moodboard) anzu­legen, bevor du mit der eigent­li­chen Zeichenarbeit beginnst. Ein Imageboard ist eine Collage deiner Inspirationen. Diese können ganz unter­schied­lich sein und z.B. aus Farben, Architektur, Comic-Figuren, Actionhelden, atmo­sphä­ri­schen Bildern oder Zeichnungen ent­stehen. Du kannst auch meh­rere Imageboards anlegen, und diese in unter­schied­liche Themen kategorisieren.

Dieser Arbeitsprozess hilft dir deinen Charakter zu ent­wi­ckeln, und eine genauere Vorstellung davon zu bekommen, in wel­chem Stil du dein Maskottchen gestalten möchtest.

Bilder für dein Imagebord fin­dest du natür­lich bei Google, aber auch Flickr, Zeitschriften, deine eigene Fotosammlung, alte Comics, die Artworks bei DeviantArt oder Artikel auf Kreativ-Blogs wie Abduzeedo lie­fern dir jede Menge Material.

Roboter Maskottchen erstellen
Das ist das Imageboard für die Entwicklung meines Roboter-Maskottchens.

3. Körper- und Kopfform entwickeln

Jetzt beginnt end­lich die eigent­liche Zeichenarbeit. Um dich ein biss­chen warm zu zeichnen, und in die Materie deines Charakters (z.B. Roboter) rein zufinden, kannst du zuerst ganz locker ver­schie­dene Körper- und Kopfformen zeichnen. So fin­dest du am besten heraus, welche Formen für deinen Charakter in Frage kommen. In dieser Phase ist es auch wichtig, die Größenverhältnisse der Körperteile und die Anatomie deiner Figur zu definieren.

Hierbei soll­test du wieder über­legen, welche Wirkung dein Maskottchen auf den Betrachter haben soll. Runde Formen und ein großer Kopf (wie bei Kleinkindern) wirken z.B. nied­lich. Eckige Formen und ein kleiner Kopf im Verhältnis zum Körper wirken dagegen stark, über­legen, even­tuell sogar böse.

Roboter Maskottchen erstellen
In dieser Skizze habe ich ver­schie­dene Körperformen für meinen Roboter ausprobiert.

Roboter Maskottchen erstellen
Ich habe die unter­schied­lichsten Kopfformen gezeichnet.

Am ein­fachsten ist es, wenn du so viele Skizzen wie mög­lich machst. Dabei ist ein Trick (vor allem wenn du noch unsi­cher beim Zeichnen bist) auch mal ganz nebenbei, z.B. wäh­rend eines Telefongesprächs zu zeichnen. Aus diesen spon­tanen Krizzeleien ent­stehen oft die schönsten Ideen, da du unbe­fangen an die Sache heran gehst. Später kannst du deine Ideen dann weiter ausarbeiten.

Am Ende dieser ersten Zeichenphase sollte die Form deiner Figur weit­ge­hend defi­niert sein, damit du im nächsten Schritt die Körpersprache, Bewegung und Mimik deines Maskottchens ent­wi­ckeln kannst.

4. Gestik und Mimik definieren

Du weißt also, wie dein Maskottchen aus­sehen soll. Jetzt kannst du dich um die Körperhaltung und den Gesichtsausdruck deines Charakters küm­mern. Die Wirkung deines Maskottchens auf den Betrachter erzielst du durch eine ent­spre­chende Gestik und Mimik.

Du soll­test dir also Gedanken machen, ob dein Maskottchen z.B. herz­lich, ein­la­dend, schüch­tern, oder angriffs­lustig wirken soll.

Um die Gestik deiner Figur leichter zu erfassen, kannst du jetzt Bewegungsskizzen machen. Es reicht, wenn du deine Figur dazu nur ganz ver­ein­facht dar­stellst. Du kannst deine Figur flie­gend, vor Freude in die Luft sprin­gend, nach­denk­lich oder medi­tie­rend skiz­zieren. Je mehr Skizzen du machst, desto leben­diger kannst du deinen Charakter darstellen.

Roboter Maskottchen erstellen

Hast du die Bewegungen deines Maskottchens erfasst, soll­test du im nächsten Schritt ver­schie­dene Gesichtszüge üben. Als Hilfsmittel kannst du auch dein Imageboard zur Hand nehmen, um zu gucken wie eine bestimmte Mimik erzeugt wird. Nicht nur die Gesichtszüge, auch die Kopfhaltung ist ein wich­tiges Stilmittel, um deiner Figur Ausdruck zu verleihen.

Roboter Maskottchen erstellen

Die Skizzenblätter können ganz frei ent­stehen. Wieder gilt: Je mehr du zeich­nest, desto besser kannst du den Ausdruck deines Maskottchens einfangen.

5. Die finale Sizze erstellen

Roboter Maskottchen erstellen

Als letzten Schritt musst du jetzt noch die zuvor defi­nierten Elemente (Form, Gestik, Mimik der Figur) in einer finalen Skizze zusam­men­fügen. Am besten fängst du mit leichten Strichen an, und arbei­test dich immer mehr ins Detail vor.

Roboter Maskottchen erstellen
Der Lime-Bot Roboter ent­steht in meh­reren Zeichenschritten.

Du kannst deine Figur auch auf meh­rere Blätter zeichnen, indem du sie von der vor­he­rigen Skizze durch paust. Hier musst du aller­dings auf­passen, dass deine Zeichnung nicht an Dynamik und Lebendigkeit verliert.

In der finalen Zeichnung soll­test du auch Details wie Kleidung, Schattierungen, Licht / Schattenwirkung (eine Kugel kann unten dunkler sein, als oben) klären.

Es kommt bei dieser Skizze wirk­lich nicht auf eine per­fekte Zeichnung an son­dern darauf, dass dein Maskottchen den rich­tigen Ausdruck hat, und alle Flächen und Formen in der Zeichnung defi­niert sind. So bekommst du eine schöne Unterlage für deine spä­tere Illustrator-Illustration.

In unserem Flickr-Account kannst du dir übri­gens alle Zeichenblätter noch einmal in einem grö­ßeren Format anschauen.

Und so geht’s im nächsten Teil weiter

Du hast also dein Maskottchen defi­niert und eine Vorlagen-Skizze für die Illustration gezeichnet. Im nächsten Teil geht es ab in den Illustrator, wo du mit der Skizze als Unterlage dein Maskottchen in Pfaden nach­baust, dir ein Farbkonzept für die Kolorierung über­legst und die Flächen deines Maskottchens anmalst.

Ich hoffe dir hat der erste Teil des Tutorials gefallen, und du kannst die Tipps und Tricks bei deinen eigenen Arbeiten anwenden. Über dein Feedback und deine Fragen freue ich mich sehr!

10 Kommentare

    • Manuel

      Hallo Webstandard-Blog
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir das Tutorial gefällt. Der nächste Teil ist schon in Arbeit :-)
      Viele Grüße
      Manuel

  1. Werner

    Ich finde den Beitrag auch Klasse. Nachdem unsere Schäfchen erstaun­lich erfolg­reich geworden sind, machen wir uns natür­lich Gedanken, wie es mit unserer Schulbankkritzelei wei­ter­gehen könnte. Unter Anderem suchen wir nach Möglichkeiten, die Schäfchen cha­rak­ter­lich weiter zu ent­wi­ckeln, aber auch ihnen einen neuen Begleiter zur Seite zu stellen. Da sind solche kleinen Workshops unge­mein hilfreich!

    • Manuel

      Hallo Werner,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich natür­lich sehr, dass dir das Tutorial gefällt :)
      Also Schulbankkritzeleien finde ich total genial, habe selbst unzäh­lige Schulbänke auch putzen müssen, nachdem ich mich auf ihnen ver­ewigt hatte :)
      Und ein Schafsfreund bin ich auch :)
      Viele Grüße
      Manuel

    • Manuel

      Hallo Sergej,
      Vielen Dank für dein Kommentar. Es freut mich total, dass dir die gezeigten Arbeitsabläufe gefallen :)

      Ich selbst finde es auch sehr span­nend, wenn man bei einer Zeichnung oder Illustration den Arbeitsprozess nach­voll­ziehen kann. Dieser Prozess zeigt die Arbeit auf dem Papier, ent­mys­ti­fi­ziert die high-end Hochglanz-Illustration und macht die Illustration so zugäng­li­cher und sympathischer :)

      Ich habe die Illustrationen auf der eBiene.de-Seite schon oft ange­schaut, und finde diese echt klasse und aussagekräftig.

      Viele Grüße
      Manuel

  2. Tom

    Sehr schöner Beitrag und erst­klas­sige Idee! Warum zeich­nest du mit einem blauen Stift? Ich Zeichne selber viel aber meist nur mit Bleistift das ist mir neu mit dem Blauen.

    • Manuel

      Hallo Tom,
      Vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt.

      Warum ich mit einem blauen Buntstift zeichne ist eine super Frage! Dieser Buntstift ist ein DERWENT Watercolour Light Blue 33. Ein sehr wei­cher hell­blauer Farbton, der sehr ange­nehm über das Papier gleitet. Es ist sogar mög­lich ihn mit Wasser anzu­feuchten, um einen noch tie­feren Farbauftrag zu erlangen (hab ich hier aller­dings nicht hier gemacht). Es ist ein großes Spektrum von Farbtiefe, also ganz leicht bis kräftig mög­lich und du kannst eine Form des­halb sehr schön model­lieren. Mit einem sol­chen Stift ist daher auch mög­lich, mit wenig Mühe eine große Fläche farbig zu machen.

      Probiere einen sol­chen Stift doch ein­fach mal aus und sag mir, was du davon hälst :)

      Viele Grüße
      Manuel

  3. David

    Hallo,
    echt toller Beitrag. Finde es toll wie du uns zeigst wie du deine Inspiration sam­melst, Charakter-Illustrationen fes­seln mich gerade.

    Einen Artikel über dein Illustrations-»Equipment« würd ich sehr inter­es­sant finden.

    Grüße

    • Manuel

      Hallo David,
      Vielen herz­li­chen Dank für dein tolles Feedback.
      Charakter-Illustrationen finde ich auch total span­nend und die Idee auch mal über das Equipment zu schreiben ist echt super.
      Das werde ich auf jeden Fall umsetzen. :-)
      Viele Grüße
      Manuel

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.

*


Top